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UND ÜBERMORGEN HOL ICH MIR DER KÖNIGIN IHR KIND“

Eine begehbare und bespielte Installation

Von Lena Braun aka Queen Barbie
Unter Mitwirkung von Anke Riechenbächer

Lange Nacht der Museen, 28. August 2010, 23h

MocTA - Museum of contemporary TrashArt, Berliner Strasse 17, 13189 Berlin-Pankow, direkt am U/S-Bahnhof Pankow

Zeitgleich mit dem Aufbegehren Südamerikas, sind in Deutschland die ersten Handschriften des Märchens „Rumpelstielzchen“ zu verzeichnen, welches sich einem ähnlichem Thema widmet. Gold und andere Erze waren im 17ten Jahrhundert die Basis für Wohlstand und Macht, die Ausbeutung anderer Kulturen für die Länder Europas so legitim wie ein Kreuzzug oder heiliger Krieg. Es galt das eigene Volk zu erhalten und sich weltpolitisch die Vormachtsstellung zu sichern. Gold wurde nicht nur aus Südamerika und anderen Kolonien herbeigeschafft. Venedig sandte, um seine Macht zu sichern, kleinwüchsige Scouts in die Bergwelt Europas. Diese suchten ohne Schürferlaubnis in den Nachbarländern fast unbemerkt nach Gold. Sie trugen hohe Stiefel, um gefahrlos in Flüssen Gold zu waschen und zum Schutz vor herabrieselndem Gestein in den Bergstollen, eine hohe gefütterte Zipfelmütze. Die Scouts Venedigs, die über viel bis dato unbekanntes Wissen über die Hebung von Bodenschätzen verfügten, gingen in die Mythen und Märchen als Zwerge ein.
 
In dem Märchen „Rumpelstielzchen“ zwingt ein Herrscher eine Untertanin, aus Stroh Gold zu spinnen, um seine Schatztruhen zu füllen. Der Zwerg Rumpelstielzchen rettet dem Mädchen das Leben, indem er für es diesen Mehrwert erzeugt. Es wird daraufhin die Frau des Königs und verspricht dem Zwerg als Gegenleistung ihr erstes Kind. In der Deutung des Märchens gilt der Zwerg als Alter Ego des Mädchens, als seine weibliche Seite. Das Mädchen, nun Königin, gebiert ein Kind  und rebelliert: Kein Gold der Welt kann ihr das Erstgeborene ersetzen! Sie bietet Rumpelstielzchen alle Schätze des Königreichs, um das Kind zu behalten. Dieser lehnt ab. Er will bei seinem Namen genannt werden. Als die Königin ihr weibliches Alter Ego bei seinem Namen nennt, verschwindet es im Erdinneren.
 
Die Performance „Und übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind“ findet in einer begehbaren Installation der Künstlerin Lena Braun im Innenhof des MocTA Museums statt. Aus scheinbar Wertlosem entsteht auch hier Gold. Die Performance transferiert den Wunsch nach Selbstbestimmung aus dem 17ten Jahrhundert ins Jetzt. Das aktualisierte Märchen erklärt die Kunst des Recycelns zum neuen Gold einer aufgeklärten Menschheit. Der Soundtrack der Aufführung entstand in Zusammenarbeit mit dem türkischen Komponisten Namosh. Neben Lena Braun aka Queen Barbie als Königin tritt Anke Riechenbächer in der Rolle des Rumpelstielzchens auf.

 

 
 
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