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Die Auferstehung und Einverleibung der Baronin Leonie Puttkammer Gessmann

Fragen zur Ausstellung, die Auferstehung und Einverleibung der Baronin Leonie Puttkamer-Gessmann

I: „Lena Braun, Sie zeigen hier das erste Mal schwarz-weiß Fotographien und ungewöhnlich kleine Formate, warum?“

L.B.: „Ich bin keine Fotographin, ich bin Künstlerin. Diese Fotos hätten auch mit einer Lochkamera gemacht sein können, es geht mir nicht darum gut oder großartige Fotos zu machen, es geht mir um die Informationen, die auf ihnen gebannt sind.

Ich habe sehr lange recherchiert, bevor ich diese Fotos überhaupt machen konnte. Sie sind ein Wiederbelebungsversuch von Geschichte oder sagen wir besser, von verdrängter und absichtlich falsch interpretierter Geschichte.

Mir ist das in meinem Leben selbst schon oft passiert, ich wurde fehlinterpretiert oder es wurde absichtlich über mich Falsches verbreitet. Das ist ein Versuch, die wahre Person auszulöschen und irgendwann manifestieren sich die Fehlinformationen und bilden einen Mythos, der jenseits der weitaus spannenderen Wirklichkeit liegt. Dagegen muss man angehen, das ist ein politischer Akt und eine Menge Arbeit.

Wenn die Bilder dann auch noch gut aussehen, freue ich mich über diesen Nebeneffekt, denn Schönheit war, so weit ich das beurteielen kann, für Leonie Puttkamer und Anita Berber eben so wichtig wie Authentizität. Diejenigen, die das nicht verstanden haben, haben auch nicht die Schönheit dieser Menschen (ich sage an dieser Stelle bewußt Menschen und nicht Frauen) gesehen. Sie haben eine Maske gesehen und die war gemacht aus ihren eigenen Abgründen.

Aber Sie fragen mich nach den Fotos, also nach dem Medium, mit dem ich Inhalt transportiere und da muss ich sagen, daß es für mich total wichtig ist, das die Fotos das sind, was sie sind. Ich bearbeite nichts im Fotosshop. Fotoshop ist für mich in diesem Kontext Faschismus, die Sehnsucht nach einer Perfektion, die Ausmerzen bedeutet und das Objekt der Begierde tötet. Natürlich möchte man gut aussehen, erst gerade wurde ich in Berlin selbst fotographiert und ich weiß, daß Fin, die die Fotos gemacht hat, so lange fotoshoppen wird, bis ich die Diva bin, die ich auf den Fotos sein soll. Aber das ist ein anderer Zusammenhang, denn dort bin ich das inszenierte Abbild meiner selbst und in der Puttkamer-Serie transportiere ich weibliche Geschichte und da hat die Wahrheit einen anderen Stellenwert und tausendmal mehr Symbolkraft.“

I.: „Wie genau kommt es zu den Fotos, zu der Serie, die wir hier sehen?“

„Aus all den biographischen Fetzen, die ich mir einverleibt habe, bildet sich in mir nach und nach ein Gefühl. Es ist eine Wut, die die Wahrheit fühlt, aber nicht wirklich fassen kann. Und nun beginnt die Bescheidenheit. Ein Archäologe erzählt dem Publikum ja unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft, seine ärgsten Fantasien. Ich versuche das nicht zu tun, aber frei machen kann ich mich davon natürlich nicht und wer weiß, vielleicht ist die eigene Intuition als Sprachrohr für vergangene Wirklichkeit ja auch das richtige Instrument.

Die Fotos, die entstehen, die sind nicht wirklich wichtig. Natürlich liebe ich einige von ihnen sehr, aber das, was ich tue, ist eigentlich Aktionismus. Es geht um die Tat, um den Akt und dann um die Art der Präsentation, so wie ich mit meinem Werk dann den Leuten gegenüber trete. Ich habe da Wochen drüber nachgedacht, denn ich will hier niemanden vors Schienbein treten, ich bin kein Fußballer und ich will auch niemanden anspucken, denn ich bin auch kein Straßenkind, aber ich habe eine Aussage zu machen und wenn die nicht ankommt, bin ich selber schuld, dann habe ich es nicht richtig gemacht. Das ist eine Gradwanderung, denn es geht hier um Kultur und nicht um Propaganda. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, wie lange man den Unterschied überhaupt noch versteht. Darum versuche ich ihn wahrnembar zu machen. Man kann es sich leicht machen mit seiner Arbeit, so wie das die Agenturen propagandieren, einen Claim abstecken und in zwei Sätzen alles sagen. Die Einverleibung und Auferstehung der Baronin ist kein mundgerechtes Häppchen, ich liefere keinen Claim, sondern ein Gefühl, das einen beschleicht und das aus einem selbst kommt. Ich versuche etwas auszulösen, aber ich rede hier niemand etwas ein. Ich bin dieses Ausgesetztsein, dieses Eingeschlossen-Sein in die globale Propaganda-Maschine so leid, daß ich am liebsten gar nichts mehr sagen möchte.

Hören wir ein wenig Satie, lassen wir die Hüllen fallen. Anita konnte das, total unschuldig, total bewußt. Ein Schlag ins Gesicht und er traf mitten im Herz. Darum war Leonie verrückt nach ihr.“

 
  
 
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