Lena Braun
Aktuelles
Ausstellungen / Serien
2012
ALL ABOUT EVE
2011
"limelight"
Memory
Lost & Found
Zaproszenic
2010
Re-Definition
Lichtenberg Biennale
Neuköllner Kunstsalon
Nackte Tatsachen
Werkschau
2009
Three of us
Monat der Fotografie
Berlin ist eine Frau
Hommage à Anita
Die Auferstehung und Einverleibung der Baronin Leonie Puttkammer Gessmann
2008
Die Auferstehung und Einverleibung der Angelika Kaufmann
vor 2008
Sprühstärke
Zuchthausköder
Zoom auf Treptow
Lena & Joy meet Siegfried und Roy
Wachschutz für Belgrad
Who the fuck is Lena Braun ?
Lord Jim & Queen Barbie
Queen Barbie Loge
Gesamtkunstwerk
Gesamtkunstwerk
Contact
Impressum
Contact
gerome m
Wien10
showsalacartLena
Lord Jim und Queen Barbie
Lena Braun aka Queen Barbie
"Es lebe die Interdisziplin"

1. Wenn Du an die LORD JIM Loge denkst, was fällt Dir als Erstes dazu ein?
2. Wie hast Du von der Gründung der Lord Jim Loge erfahren?
2A Was ist das Ziel der Lord Jim Loge?
2B Wie kann man in der Lord Jim Loge Mitglied werden?
2C Warum wurden keine Frauen aufgenommen?
2D Was ist/ die Lord Jim Loge nicht?
2E Was ist der Mythos Lord Jim Loge?


Prolog:
Queen Barbie: "Meine Mummy nennt es Schmuddelkram, aber ich nenne es Kuuuuuuuhhhhhnst!"
Die kleine Queen Barbie steht auf einem Fußbänkchen. Auf dem Küchentisch vor sich, einen riesigen Mixer. Davor, paarweise angeordnet, eine Menge Kram, akribisch beschriftet. Man atmet Hexenküche. Queen Barbie grinst zufrieden und schaut an sich hinab auf ihre winzige rosa Schürze, in deren Rüschentasche eine muskulöse wilde kleine Figur hin und her schaukelt.
Queen Barbie: "Können wir anfangen?" Das Heroepüppchen nickt.

1. Ich denke an Graz. 1991. Es war steirischer Herbst und wir saßen beim Heurigen oder war es ein Gespritztes und sprachen über Kernöl. Mir kam das etwas spießig vor oder schulmeisterhaft, dazu diese Holzbänkchen auf denen wir saßen, alles fesch und leicht verstaubt. Doch dann fiel das Wort Lord Jim und ich fing Feuer, denn ich hatte als Kind einen BIG JIM gehabt, der so was wie der Ken von Barbie ist und dann ging es los. Der Bann war gebrochen und Sonne Busen Hammer lagen mir zu Füßen. Ich hatte allerdings das unumstößliche Gefühl, das Sonne-Busen-Hammer ein Relikt aus der Inka-Zeit sei. Ich hörte einen Klang. Metallisch laut schlug der Hammer auf eine riesige Sonne, die zugleich ein Fruchtbarkeitssymbol war. Ich beschrieb diesen Gong immer genauer. Das gefiel Schlick. Meine Poesie war ein weiches Bett, machtvoll, mythisch, einladend werbend, königlich fast, so daß der Froschkönig (ich nannte Mr. Schlick heimlich, still und leise Frosch, so wie Frida Kahlo das bei Diego Riviera machte, denn er sah für mich aus wie ein furchtbar süßer Frosch, den man - wäre man in einen Märchenfilm hineingeraten - glatt geküßt hätte!) vor Rührung ergriffen,  eine dicke Träne fallen ließ. Dann sprang er entsetzt auf, zerquetschte diese mit der prankenartigen Hand und schrie gleich einem Hexenmeister: "Her mit dem Rippchen!"
Uff - die Bedienung kam angestiefelt. Leicht verwirrt, denn so etwas stand gar nicht in der Karte und wollte den guten Tisch trockenwischen, doch das lies Jörg nicht zu. "Simsalabim, simsalabim", murmelte er und Lisa bestellte schnell weiter Heurigen, um abzulenken. "Simsalabim, simsalabim", ging es weiter. "Noch einmal 10.000 Jahr' ein Basenpaar, ein Basenpaar, von Ewigkeit zu Ewigkeit." Mir wurde ganz unheimlich zu Mute, so als hätte ich das vor nicht allzulanger Zeit schon einmal gehört, in einem Wald als Zauberlehrling, damals als die Paläste brannten und vielerorts Hütten gebaut wurden. "Du lässt aber auch keine Peinlichkeit aus!" sagte Lisa und lächelte den in Trance Gefallenen voller Liebe an. "Genau wie Kippi", sagten die anderen und lachten. "Genau wie Lena', sagte Lisa und grinste. "Die kann man ja auch nirgendwo mit hinnehmen, die flippt ja bei jeder Gelegenheit gleich aus. Ein Wunder, das sie heute so brav ist!"
Da wurde Jörg plötzlich wach und sprang auf den Tisch (exakt auf den Punkt wo die Träne gefallen war) und begann zu singen und zu steppen.

"Das Rippchen, das Rippchen,
endlich ist es da!
Die Königin, sie denkt frei!
Die Königin, die Königin sie denkt frei!"

Ich spürte, dass dieser Satz irgendwie einen Draht zwischen uns spannte und begann an der zerquetschen Froschträne zwischen Jörgs Füßen herumzuschnüffeln, um sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. "Mannoman, ein hartes Stück Arbeit, dieser Veitztanz, Schlick", sagte jemand den ich nicht kannte, hinten an der Bar. "Das ist nicht-entfremdete-Fußarbeit!" kicherte ich und reichte Jörg die Hand, und die nahm er und zog mich in eine Nische, weil man dort besser tuscheln konnte.

2. "Dadadada macht man doch schlapp, wird Dir das klar!" fluchte er. "Wir malen und machen und tun, ganz brav, keiner hat geholfen, weißt Du und trotzdem ist bislang kein einziges Rippchen vorbeigekommen - und jetzt kommst DU! Herrlich! Wie ein Falter, so königlich und zart!" Ich dachte, oh Gott, das muss an meinem Kleid liegen und er drückte mir einen komplett unwienerischen Handkuss auf meinen Päpstissinnenring. Da stand plötzlich so ein Dandy vor uns und schaute spöttisch. "Na gehen wir wieder ins Häuschen arbeiten, Schlick?" Jörg starrte den Dandy an und zog das Mündchen kraus. "Ich arbeite. Ja genau. Ich hab' das Rippchen gefunden nach dem wir so lang' Ausschau hielten und das wird ein Nachspiel haben! Das hier (und er deutete auf mich) ist eine Mega-Wirtin, mein Lieber. Kein Alltagsgegenstand auf den wir ohne zu zucken unser Signet setzen können."
Der Dandy reichte mir großmütig sein Glas. "Ich bin keine Dose!" krähte ich dreimal und zeigte mir selbst dabei ein paar ganz solider Häschenohren. "Eine Wirtin ist das", brodelte Schlick weiter, "in die wir unsere Larven legen können. Wir können doch den ganzen Fontanellenscheiß auf Dauer nicht selbst ausbrüten, noch nie was vom Rippcheneffekt gehört, Alter?"
"Wie heißt sie?" fragte der Dandy. "Lena Braun", sagte Schlick. Da guckte der Dandy verdutzt, schlug sich an den Kopf und fing grauenhaft glucksend an zu lachen. Dann streckte er den Arm aus, so als ob man da Wäsche draufhängen sollte und schrie: "Heil Lena!" und ging zurück zur Bar.

2*. "Warum hat der so gelacht?" fragte ich Jörg, irgendwie wusste ich nicht, ob die Situation nicht vielleicht frauenfeindlich war. Aber Jörg grinste sehr nett, so wie gentlemen es tun. "Ich glaube, der denkt, Du hast einen Hund, so einen, der wirklich pariert und das gefällt ihm, aber das ist ein Geheimnis!" Mir wurde langsam etwas mulmig. Das klang mir alles etwas zu übermenschlich. "Ähh, Lord Jim, ich muss mal kurz das Clo benutzen", stotterte ich und verschwand.

2**. Als ich wiederkam saß Jörg wieder bei den anderen am Tisch. "Wirklich schade, dass Du kein Mann bist", sagte Lisa genüsslich, "diese Logenfritzen finden nämlich Gefallen an Dir!" Ich setzte mich. "Ja, für die sind Homo-Weiber ne Mischung aus Übermutter und Kumpel. Schon gemerkt," lachte ich. "Kippi würde Dich ja aufnehmen. Aber ich hab' ihm erklärt, dass Du mein Rippchen bist", tönte Jörg und grinste mich total süß an. "Lena Braun ist bei uns in Berlin stadtbekannt für Alkoholexzesse und Provokation, also ich finde, die würde reinpassen, Jörg", lachte Lisa. Die Situation war rührend und grotesk. Worum es eigentlich ging wurde mir erst wesentlich später klar. "Ich glaube Kippi hat Deine tiefe Stimme beeindruckt", sagte Jörg. "Neulich hat sie sogar einen Pornofilm synchronisiert", kicherte Lisa, "und Hugo Schneider, ihr Modedesigner läuft mit einem Spiegelei auf der Glatze herum, die sind alle total meschuga in ihrem Laden!" Lisa konnte sich vor Lachen nicht mehr halten. "Stimmt das?", fragte Jörg. Ich hatte das Gefühl, er wollte effizient sein. "Ja", antwortete ich schlicht, "aber es ist natürlich aus Plastik."

2***. "Irgendwie poppig, mein Rippchen. Findet Ihr nicht auch?" grinste Schlick und die anderen nickten dienstbeflissen. "Ehrlich gesagt bin ich in Wirklichkeit eher scheu", sagte ich und warf einen dekodierten Bambiblick in die Runde, "aber ein Zentralorgan zu haben in dessen Adern Druckerschwärze fließt statt Blut, dass finde ich schon schick."
"Hhm", machte Schlick. "Hhm", machte Lisa. "Hhm", machten die andern am Tisch.
"Ja und das 12 Typen meinen, dass wenn sie in irgendeinen dahergelaufenen Puff gehen, um dort gemeinsame Sache zu machen, dass wäre ein Tritt in den Arsch des Establishments, dass ist doch wirklich süüüüüß! Stell' Dir vor, Lisa, jeder subventionierte Besuch im Bordell fiele ab nächstes Jahr in die Kategorie Systemkritik! Hahaha! Freidenker im ganzen Land!"
Lisa (entrüstet): "Lena!"
Lena (entrüstet): "Ist doch wahr!"

2.****Lena (weiter):"Ich habe ein Boudoir mit einem riesigen Bett, da können die Herren gern zu Füßen eines Schneewittchens mal versuchsweise die Revolution erproben!"
Jörg: "Dein Wille sei Konzept!"
"Fein!" Ich klatschte in die Hände und schwebte mit meinem Nachtfalterkleid behende durch den Raum.
Mann an der Bar: "Jörg, schau' mal, eine Neue Wilde!"

Epilog:
Die Galerie ist knallvoll. Das Licht ist gedämpft. Überall Gemurmel, ab und zu ein kleiner spitzer Schrei des Entzückens.
Baby Hilton: "Ist Ihnen das auch aufgefallen, Kick? Diese Ähnlichkeit!"
Kicken Mac Chicken: "Yo! Es ist auffallend, Hiltonbabe, auffällig genug. Bin gespannt, wann die Presse Wind davon kriegt."
Baby Hilton: "Schau doch noch mal unauffällig rüber, Kick! Die sehn' doch aus wie aus dem Kinderbuch das von diesen Zwilligen handelt, Du weißt schon, ziemlich altmodisch, aber lustig!"
Kicken Mac Chicken: "Hhmm. Lord Jim und Queen Barbie, das doppelte Lottchen der mythischen Postmoderne. Engelchen, Du inspirierst. Wunderbar. Die perfekte Kategorie!"
Baby Hilton: "Wirklich Kick? Das ist aber nett, das Du so was sagst. Schau, jetzt machen die auch noch ne Show!"

Queen Barbie und Lord Jim stehen in Küchenschürzen vor einem überdimensionalen Mixer. Eine kleine Hexe sitzt am Keyboard. Elektrobeats zucken hoch. Das Paar beginnt zu singen.
Lord Jim: "Spieglein, Spieglein an der Wand!"
Queen Barbie: "Yipp! Yipp! Yipp!"
"
Kicken Mac Chicken: "Igitt! Was schmeißen die denn da rein?"
Baby Hilton: "Sieht aus wie tote Mäuse und Krähenfüße!"
Kicken Mac Chicken: "Ja, aber es stinkt nach Plastik!"
Kick und Babe entfernen sich. Aus der Ferne klingt Gesang und Maschinensound.

Queen Barbie: "Politik & Tabledance"
Mixer: "srrr"
Lord Jim: "Performance & Installation"
Mixer: "srrr"
Queen Barbie: "small talk & deep throat"
Mixer: "srrr"
Lord Jim: "yellow press & black market"
Mixer: "srrr"
Queen Barbie: "Ernst & Unsinn"
Mixer: "srrr"
Lord Jim: "Wachheit & Illusion"
Mixer: "srrr"

Kicken Mac Chicken: "Dieses Basenpaar, genial!"
Baby Hilten: "Geschwisterpaar, Kick! Geschwisterpaar!"
Kicken Mac Chicken: "Das geht an die Presse, Babe!"
Baby Hilton: "Gehen' wir was essen, Kick?"
Kicken Mac Chicken: "Champagner und Austern?"
Baby Hilton: "Yipp! Das ist gut für die Figur!"                                                   
 
[ Back ]
© Lena Braun, design by nachgesalzen